Klimawandel oder Wandel im Atmosphärischen mit der „Welt“

Das psychosoziale Klima in unserer Welt hätte einen einschneidenden Wandel nötig. Dagegen findet ein meteorologischer Klimawandel unaufhaltsam und zu unserem Leidwesen statt.
Wir achten ganz allgemein zu wenig auf das Atmosphärische, es wird nicht wirklich ernst genommen - im Seelischen nicht und nicht im Meteorologischen. Im Seelischen zeigt es sich im fehlenden Hinschauen und vorschnellen Bewerten, im Meteorologischen eben in der zunehmenden Erderwärmung und dem Ozonloch.
Klimawandel, so wie er zur Zeit diskutiert wird, überfordert uns. Es gibt einen vielleicht merkwürdig erscheinenden Grund dafür: Ein klimatischer Wandel im Zwischenmenschlichen, in dem es um eine Wertschätzung des Atmosphärischen in allen Bereichen zu gehen hat, wird nicht wirklich angepackt. Aus einem gut gemeinten Bemühen droht so eine rundum erfolglose Symptombehandlung zu werden.

Was kann die Psychologie zum Thema Klimawandel beitragen?
Werner Mikus

Psychologisch betrachtet, scheint mir etwas anderes wichtiger zu sein als nur der ängstliche Blick in die Zukunft und der moralische Schub in Richtung Bessermachen. Es ist ein Haltungswandel nötig. Hierzu müsste die Psychologie auf ein problematisches Selbst-Bild vom Menschen aufmerksam machen, welches uns kaum bewusst ist, doch unser Handeln weitgehend bestimmt:
Diesem Bild zufolge sitzt das Seelenwesen Mensch auf einem materialen Grund, also auf dem Körperhaften und Materiellen der Natur, und ist dazu bestimmt, die unter ihm stehende seelenlose Welt zu lenken und zu verwalten. Von diesem Bild ausgehend glauben wir, die materiale Welt erhielte ihren Sinn erst durch den Geist oder durch die Seele des Menschen bzw. eines ihm nahe stehenden Gottes. Demzufolge ist der Mensch entweder Segen und Heilsbringer, oder er ist der, der die Welt in ihren Untergang führt: Weltenrettung und Weltuntergang liegen näher zusammen als wir glauben.

Wir versäumen dabei, genau hinzuschauen, was die Dinge um uns herum „erzählen“. Wir diktieren ihnen zu gerne, was sie zu bedeuten haben. Auch die sicherlich berechtigte Angst vor der Vermüllung unserer Meere und vor der weiteren Aufheizung unserer Atmosphäre überfallen unsere Gesellschaft wie die Angstattacke z.B. einen Therapieklienten überfällt. Strukturelle Änderungen lassen sich aber in so einem Klima nicht erreichen. In einem solchen Rahmen handelt man aktionistisch, man tut etwas, um sich zu beruhigen, wie es nicht selten via Konfrontation z.B. in einer Verhaltenstherapie geschieht. Salopp gesagt „wirft“ man „etwas ein“, um den Augenblick überstehen zu könne, Pillen aber auch Beschwichtigungen, und Leugnungen z.B., das strukturelle Problem wird nicht angepackt. Das Ganze hält nicht still, zappelt, stellt sich stur oder erpresst. Die Psychologie kann da helfen, so sie nicht das alte Bild vom Menschen bedient (s.o.): Sie muss wieder eine Ruhe in die Entwicklungen hineinbringen, damit es nicht bei einer allzu kurzgreifenden Symptombehandlung bleibt.

Wir müssen ganz genau hinschauen, was uns die Dinge, die gefühlt aus dem Ruder laufen, sagen wollen. Manche Prozesse wollen uns offensichtlich strafen, aber wofür? Das müssen wir auch versuchen herauszulesen aus unseren Beobachtungen. Da es bei diesem Hinschauen keinen leitenden Rahmen gibt, anders als bei einer strukturellen Therapie, wo die Person des Therapeuten die Rahmung sichert, ist die Angst, dass eine strukturelle Lösung der Probleme gar nicht erst angepackt wird, nicht zu unterschätzen. Und so teile ich das Engagement vieler Aufgebrachter. Das Alarmschlagen hat eine wichtige Funktion in einer Entwicklung hin zu einer strukturellen Arbeit. Aber es ist nicht das, was eine Psychologie des 21.ten Jahrhunderts tatsächlich beizutragen hätte. Im Gegenteil, sie muss helfen, aus dem engen Bild einer seelenlosen Welt wegzukommen, die auf die rettende Gnade eines seelenbestückten Wesens, den Menschen, angewiesen ist, welcher der Bildregie folgend Täter (also Verbrecher) und Erlöser in Einem zu sein hat. Aus einer solchen Haltung muss eine Psychologie des 21. Jahrhunderts helfen herauszukommen – hin zu einer Haltung, in der die Dinge auch ein Sagen haben, auf das wir mit Neugier unser Interesse richten. Geschichten machen nicht nur wir Menschen, auch alles andere in der Natur und um uns herum macht das. Versuchen wir die Kommunikation aufzunehmen. Dann gehen wir Schritt für Schritt über in eine strukturelle Behandlung unserer Probleme mit Klima und Co oder mit dem Problem, gleichzeitig Mensch und Natur zu sein

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