Befreiung von der Fixierung auf ein vermeintliches Ungenügen

Die Suche nach dem Ungenügen des Partners in einer festen Beziehung kann zu einer dauerhaft unerfüllten Verbindung führen. Oft gibt das Gefühl, dass man selbst nicht genüge den Ton an und lenkt den Blick auf das vom Partner nicht Erfüllbare um. Die Beziehung kann sich so nicht weiterentwickeln, erst, wenn dies Im Zuge eines zunehmenden Selbstwerggefühls aufgegeben werden kann. Dann aber muss ein Ereignis stattfinden, das eine zuspitzende Benennung des Bemängelten zum Inhalt hat. Im beschriebenen Fall geschieht das über den Satz: „Er ist kein Familienmensch“. Über dieses „Beim-Namen-Nennen“ wird die negative Einschätzung ins Kippen gebracht.

Paradoxes Bemühen um die erfüllende Partnerschaft
Jennifer Eckert (mit Redaktion)

Vor sieben Jahren besuchte ich meine Tante und ihre Familie in Australien, um den Kopf frei zu bekommen. Ich hatte ein Jahrzehnt mit zwei sehr anstrengenden und verletzenden Beziehungen hinter mir. Ich war auf der Suche nach mir selbst und nach der Freude am Leben, aber bestimmt nicht nach einer neuen Beziehung. Und genau in diesem Urlaub lernte ich meinen jetzigen Partner kennen.
Marc war anders als die Männer, die ich zuvor kennengelernt hatte. Er war lebensfroh, mutig, abenteuerlustig und neun Jahre jünger als ich. Unseren Altersunterschied ließ er mich nie spüren und er gab mir das Gefühl, dass ich die schönste Frau auf der Welt sei. Marc nahm mich genauso, wie ich war. So kam ich letztendlich auf den Geschmack, mich auf eine neue, unverbindliche Beziehung mit ihm einzulassen, ohne dabei die Hochzeitsglocken läuten zu hören, wie es bei meinen Beziehungen zuvor immer der Fall war. Seine Liebe war bedingungslos und aufregend und wir schwebten in einer unaufhaltsamen Verliebtheit. Dies verlieh mir eine gewisse Leichtigkeit und ich konnte mich ganz unverkopft auf diesen Mann einlassen. Dieses Gefühl beschreibe ich bis heute gerne als unser „Australien Gefühl“.

Ich war zwar mutig genug, mich auf einen neuen Typ Mann und eine neue Art der Beziehung einzulassen, doch mit der Zeit kam mein altes Muster wieder zurück. In einer Beziehung spulte ich immer das gleiche Programm ab. Ich hatte nämlich eine klare Vorstellung von einer Beziehung und dem Mann an meiner Seite. Er sollte aufmerksam und liebevoll sein, gerne kuscheln, gerne an Familienfeiern und Päarchenabenden teilnehmen, er bespricht mit mir jede Einzelheit des Tages, es gibt keine Geheimnisse usw.. Marc war von Anfang an anders. Kuscheln mit mir mochte er nicht besonders gerne, er wollte immer selbst und spontan entscheiden, an welcher Feierlichkeit er teilnimmt, er wollte so oft es geht alleine Angeln gehen und am liebsten nicht Bescheid sagen, wann er wieder zurück ist. Er liebte seine Freiheit und lebte für seine Leidenschaft, in der Natur zu sein. Er mochte es nicht, wenn ich zu viele Fragen stellte, dadurch fühlte er sich kontrolliert. Umgekehrt stellte er mir auch nicht viele Fragen. Im Rahmen meiner Verzweiflung wollte ich immer heiraten, aber Marc gab mir deutlich zu verstehen, dass heiraten für ihn nicht wichtig sei. Oft dachte ich, dass er sich nicht für mich interessiert. Eine unkontrollierbare Traurigkeit überkam mich. Besonders dann, wenn ich andere Paare sah, die sich in der Öffentlichkeit küssten und umarmten. Oder wenn ich mitbekam, dass andere Paare bereits Anfang der Woche gemeinsame Pläne für das Wochenende schmiedeten oder ein Paar in unserem Freundeskreis heiratete. In solchen Momenten fragte ich mich, was hält mich bei Marc und warum sind wir zusammen?

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