Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

Die Welt hat sich verändert, mit einem Schlag. Die politische Atmosphäre in ihr ist spürbar eine andere geworden und das wohl unumkehrbar. Die Weltgemeinschaft hat es mit dem Abwehrkampf eines untergehenden Geschäftsführungsmodells zu tun, was sich mit militärischen Mitteln und Erpressungen wie in einem letzten Kampf gegen ein Versagen desselben aufbäumt und dabei skrupellos vorgeht. Das Märchen "Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" macht in diesem Zusammenhang vieles klar.

Weltgemeinschaft und Ukrainekrieg
Werner Mikus

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Ein Blick ins Zentrum der schwer überschaubaren Bedrohungslage

Vor etwa 30 Jahren wurde offiziell die Sowjetunion und damit ein Imperium aufgelöst. Die Erschütterungen dieser Auflösung enthalten einige Gefahren. Eine Welle von Umbrüchen sind in einem solchen Fall zu erwarten. Die Weltgemeinschaft müsste sich auf diese Erschütterungen einstellen. Hat sie das getan oder ist hier ein nebliges Durcheinander entstanden, das wie in dem Märchen ein genaues Eingehen auf das Bedrohliche mehr oder weniger gründlich verhindert hat?
Was wir erst bei genauerem Hinsehen merken, ist, dass es gar nicht um den Untergang einer Zivilisation oder eines Kulturraums geht, sondern um den Untergang von etwas anderem: Es geht vielmehr um einen Untergang, der weltpolitisch kaum im Fokus ist und um jeden Preis abzuwenden versucht wird und dabei in eine Situation des Sich-Aufbäumens gerät. Es geht dabei gleichsam um den Untergang eines Geschäftsführungsmodells, welches bis dahin möglich gemacht hatte, das durch den Niedergang des Zarenreiches herrenlos gewordene Imperium mit allen seinen Teilen zusammenzuhalten und gleichzeitig zunächst vier, dann insgesamt 14 weitere Staaten politisch und wirtschaftlich in ein Boot zu holen (1922 Gründung der Sowjetunion). Es handelt sich hier um ein kader- und parteibasiertes Regierungsmodell, welches seine Inkarnation im sogenannten Kreml hat, da, wo die Fäden zusammenlaufen. Dieses Geschäftsführungsmodell steht nun auch seinem Untergang gegenüber, seit sich die Sowjetunion aufgelöst hat und die Unionsstaaten in die Unabhängigkeit gegangen sind. Ein letztes Aufbäumen gegen diesen Untergang findet statt: Russland hat sich als alleiniger Erbberechtigter an der Sowjetunion erklärt und so den Sitz im Uno-Sicherheitsrat mit Vetorecht erhalten sowie auch von den ehemaligen Unionsstaaten die Atomwaffen (z.B. Ukraine). Gleichzeitig hat es den Versuch gemacht, die ehemaligen Unionsstaaten in einem Nachfolgebund zu verpflichten, sich gegenseitig wirtschaftlich und sicherheitstechnisch, natürlich unter der Führung Russlands, zu unterstützen (Gründung der GUS).

Zunächst stieg Georgien (2008), dann die Ukraine (2014) aus, die drei Baltischen Staaten hatten von Anfang an nicht in dem Verbund mitgemacht, so dass von den 15 noch 10 Staaten in der GUS und damit in dem Nachfolgeverbund verblieben sind. Die Methode der Beherrschung des Bundes funktioniert nicht mehr. Das bewährte Geschäftsführungsmodell ließ sich nicht mehr auf die neuen Verhältnisse anwenden, weil die revolutionäre und weltverbessernde Ideologie einer kommunistischen Partei jetzt fehlte, um die alte enge Bindung untereinander und an die Zentrale rechtfertigen zu können. Wenigstens musste ein neues Feindbild gefunden werden. So entstand schließlich das Bild von einem wachstumshungrigen und mit faschistischen Kräften paktierenden Westen. Und von diesem wurde auch ausgiebig Gebrauch gemacht.

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